Als im März 1938 ...

... Österreich als Staat unterging und vom Deutschen Reich 1938 annektiert wurde, bedeutete dies für viele österreichische Rechtsanwälte das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit. Am 13. März 1938 waren in die Liste der Rechtsanwaltskammer in Wien 2.605 Anwälte eingetragen, am 31. Dezember 1938 waren es nur mehr 771. (Ernst Jahoda, Geschichte der österreichischen Advokatur 1918 - 1973, Seite 49)

gelöscht gemäß § 1 b, z.1 und § 7 der 5. Verordnung zum 

Reichsbürgergesetz vom 27. September 1938 RGBl I Seite 1403Mit Verordnung vom 31. März 1938 (RGBl I Seite 353) konnte Rechtsanwälten und Verteidigern die Juden waren, die Ausübung ihres Berufes untersagt werden. Die Verordnung vom 27. September 1938 (RGBl I Seite 622) bestimmte, dass jüdische Mischlinge bis zum 31. Dezember 1938 in der Liste zu löschen waren. Die Eintragungsregister der Rechtsanwaltskammern in Österreich weisen bei den betroffenen Kollegen den mit Stampiglie angebrachten Hinweis "gelöscht gemäß § 1 b, z.1 und § 7 der 5. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 27. September 1938 RGBl I Seite 1403" auf.

Nur 15 Fälle gehen auf Ursachen zurück, die in keinem Zusammenhang mit der NS-Machtergreifung stehen. (Wrabetz, Österreichs Rechtsanwälte in Vergangenheit und Gegenwart, Seite 131). Hinter diesen dürren Ziffern, die Wien, Niederösterreich und das Burgenland betreffen, ist die Dimension des Schreckens und des Unrechts nur erfassbar, wenn man die betroffenen Einzelschicksale sieht.

Der "Verein zur Erforschung der anwaltlichen Berufsgeschichte der zwischen 1938 und 1945 diskreditierten Mitglieder der österreichischen Rechtsanwaltskammern", dessen Mitglieder die Rechtsanwaltskammern Österreichs und der österreichische Rechtsanwaltskammern sind, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Berufsgeschichte dieser verlorenen Rechtsanwälte zu erforschen.

Woher sind diese Kollegen gekommen, was ist ihre persönliche Anwaltsgeschichte, wie war ihre ferneres Schicksal?

Das Ziel dieses Projektes ist die Aufbereitung dieses Teiles der österreichischen Anwaltsgeschichte und die Herausgabe einer Publikation, die zugleich Gedenkschrift und kritische Auseinandersetzung mit diesem Teil der österreichischen Anwaltsgeschichte sein soll.

Sollten Sie Informationen über die Kollegen und deren Schicksal haben, die vom damaligen Berufsverbot betroffen waren, oder gar über schriftliche Aufzeichnungen oder Photographien verfügen oder nähere Informationen zum Projekt „Advokaten 1938“ wünschen, bitten wir Sie, uns zu kontaktieren.